Kulturausschuss beschließt Förderung von Kulturangeboten in Höhe von 1,43 Millionen Euro

In seiner Sitzung am Montag hat der Kulturausschuss des Kulturfonds Frankfurt RheinMain die Förderung von 11 kulturellen Projekten in Frankfurt RheinMain beschlossen. Diese werden finanziell mit rund 1,43 Millionen Euro unterstützt. Die Stadt Bad Vilbel, die sich besonders durch die Burgfestspiele oder auch das Kulturzentrum Alte Mühle auszeichnet, ist nach ihrer dreijährigen Kooperationsphase nun Gesellschafterin des Kulturfonds.

Die neuen Förderprojekte tragen allesamt zur Bereicherung des kulturellen Angebots in Frankfurt RheinMain bei und decken eine große künstlerische sowie thematische Bandbreite ab. Dies spielte – wie auch die Qualität der eingereichten Projekte – eine entscheidende Rolle bei der Auswahl. Gefördert wird eine bunte Mischung aus den Sparten Bildende Kunst, Musik und Schauspiel – außerdem werden auch wieder verschiedene interdisziplinäre Projekte im Rahmen der neuen Förderperiode unterstützt. Ulrich Krebs, Landrat des Hochtaunuskreises und langjähriger Vorsitzender des Kulturausschusses, sieht der Idee, die Region kulturell zu verbinden, Rechnung getragen: „Der regionale Vernetzungsgedanke steht bei der aktuellen Auswahl in besonderer Weise im Vordergrund. Wir fördern echte Höhepunkte, die von Darmstadt über Frankfurt, Hanau und Offenbach nach Wiesbaden reichen. Viele der Projekte, die wir für die neue Förderrunde ausgewählt haben, werden erstmalig in dieser Form präsentiert – und erreichen durch ihre Neuartigkeit und Innovationskraft sicher auch ein breites Publikum.“ Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, sieht in der Auswahl der Projekte große Chancen zur Förderung des Kulturverständnisses in der Region: „Die ausgewählten Projekte verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart und Zukunft, die Menschen untereinander sowie unsere Region mit Einflüssen von außen. Insbesondere der Heimatbezug von Künstlern wie dem gebürtigen Wiesbadener Ludwig Knaus oder der Schweizerin Ottile W. Roederstein, die einen Großteil ihres Lebens hier in der Gegend verbrachte, stiftet kulturelle Identität in der Region Frankfurt RheinMain. Gleichzeitig ist Kultur auch ein Weg, sich anderen Perspektiven zu öffnen – dazu trägt etwa die Retrospektive über Frank Walter bei.“

Durch die Förderung der 11 Projekte unterstreicht und festigt der Kulturfonds die starke Stellung von Kunst und Kultur in Frankfurt RheinMain. Die Region nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell zu vernetzen und damit auch den Austausch zwischen Kulturschaffenden zu fördern, ist erklärtes Ziel des Kulturfonds. Im Rahmen der neuen Förderperiode sind folgende Projekte ausgewählt worden:

Ausstellungen:

Die Ausstellung „Marc Chagall 1935-1948“ zeigt rund 110 Werke des Künstlers Marc Chagall und findet in der Schirn Kunsthalle Frankfurt statt. Vom 12. Februar 2021 bis zum 6. Juni 2021 wird hier die weniger bekannte, dunklere Seite seines Œuvres offenbart. Ausgestellt werden Werke, die Mitte der 1930er bis in die 1940er Jahre, zwischen Chagalls Aufenthalt in Polen und seiner Rückkehr aus dem Exil in den USA, entstanden sind. Ergänzt durch historisches Material in Form von Fotos und Briefen ordnet die Ausstellung diese „dunkle Phase“ im Leben des Künstlers in den Kontext seines Gesamtwerkes ein.

Das Frühjahr 2020 beginnt mit einer Ausstellung des Künstlers Ludwig Knaus in Wiesbaden: Unter dem Titel „Ludwig Knaus – Homecoming“ liegt der Fokus der Ausstellung auf jenen Leihgaben aus Amerika, die für seinen Ruhm mitverantwortlich waren und die nun erstmalig wieder „nach Hause“ zurückkehren. Ludwig Knaus war gebürtiger Wiesbadener und gilt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 19. Jahrhunderts. Nicht nur bedingt dadurch, dass er mit seinen erfolgreichen Genrebildern Generationen von Künstlern beeinflusste, sondern auch, weil er der Genremalerei überhaupt erst zu großer Popularität verhalf. Zahlreiche seiner im In- und Ausland beliebten Arbeiten entstanden in seiner Geburtsstadt Wiesbaden. Das Museum Wiesbaden wird seine Werke vom 14. Februar bis zum 2. August 2020 ausstellen.

Das Historische Museum Frankfurt befasst sich im Rahmen der Ausstellung „Rassismus - Die Erfindung von Menschenrassen“ vom 16. September 2020 bis zum 24. Januar 2021 mit der Frage nach Struktur und Wirkung von Rassismus. Die Ausstellung analysiert unter anderem die Methoden, mit denen das Unterscheiden von Menschenrassen seinen Anfang nahm. Außerdem beschäftigt sie sich mit der Thematik, warum die Kategorie „Rasse“ doch nur scheinbar menschliche Unterschiede beschreibt, während sie in Wahrheit vielmehr dafür genutzt wird, politische, soziale und kulturelle Ungleichheit zu begründen. Mit zahlreichen Medienstationen, Interview-Filmen und Video-Installationen werden darüber hinaus aktuelle Themenfelder wie Alltagsrassismus oder die Debatte um die Populationsgenetik zur Diskussion gestellt.

Mit der Ausstellung „Frank Walter: Eine Retrospektive“ widmet das Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main (MMK) dem Künstler, Schriftsteller, Philosophen und Lyriker Frank Walter (1926-2009) die erste institutionelle Einzelausstellung weltweit. Das Gesamtwerk des gebürtigen Antiguaners umfasst dabei eine außerordentliche Bandbreite unterschiedlichster Kunstformen: kleinformatige Landschaftsmalereien in Öl- und Wasserfarbe, Portraitdarstellungen, Holzskulpturen, Fotografien, Tonbandaufnahmen, Gedichte und Musikstücke. Die Ausstellung zeigt seine von hoher Präzision, Intensität und formaler Reduktion gekennzeichneten Arbeiten, welche eine völlig neue Art und Weise der Landschaftsdarstellung in Antigua wie im gesamten karibischen Raum darstellen. Die Ausstellung zieht im Frühjahr des kommenden Jahres ein und läuft vom 14. März 2020 bis zum 16. August 2020.  

Unter dem Titel „Metamorphosen – Mensch und Tier“ plant das Deutsche Ledermuseum Offenbach gemeinsam mit der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden gleichzeitig Ausstellungen zu den Metamorphosen von Mensch und Tier. Die Ausstellungen finden parallel vom 2. Oktober 2020 bis zum 25. April 2021 statt. Sie rücken dabei die Koexistenz von Mensch, Tier und Natur in ihren unterschiedlichen Facetten in den Fokus.

Das Frankfurter Städel Museum widmet im Jahr 2021 unter dem Titel „OTTILIE W. ROEDERSTEIN“ der gleichnamigen, fast gänzlich in Vergessenheit geratenen Schweizer Künstlerin (1859-1937) vom 19. Mai bis zum 29. August 2021 eine Ausstellung in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich. Nach über 20 Jahren ist dies die erste monografische Werkschau in Deutschland. 70 Werke und zahlreiche historische Dokumente, Fotografien und Briefe geben Einblicke in das Leben der Künstlerin und ihr vielfältiges Œuvre. Die Realisierung der Ausstellung ist der Erschließung des Archivs von Hermann Jughenn, dem Nachlassverwalter und ersten Biographen Roedersteins, zu verdanken. Die Werke gelangten im Mai 2019 als Schenkung an das Städel Museum. Roederstein wohnte ab 1891 in Frankfurt und später in Hofheim am Taunus. Gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin, der ersten deutschen Gynäkologin und Chirurgin Elisabeth Winterhalter, setzte sich Roederstein besonders für die Frauenbildung ein.

Mit „The Sound of Disney“ präsentiert das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum e.V. vom 19. Mai bis zum 18. Oktober 2020 in Frankfurt eine Ausstellung zur Klangwelt der Disney-Klassiker. Die Ausstellung beleuchtet den spezifischen Einsatz von Musik, Geräuschen und Dialogen in den Originalfilmen sowie in zahlreichen Synchronfassungen. Präsentiert werden sowohl kurze Cartoons aus den Silly Symphonies (1929-1939) und der Micky-Maus-Reihe als auch zehn ausgewählte abendfüllende Meisterwerke, die unter Walt Disneys maßgeblichen Einfluss entstanden sind. Eine Sammlung des Münchner Stadtmuseums, die 1959 von Walt Disney selbst kuratiert wurde, bildet das Herzstück der Ausstellung.

Musik:

Im Herbst des kommenden Jahres, vom 20. September bis zum 4. Oktober 2020, findet das Musikfest der Alten Oper Frankfurt statt. Dieses rückt ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts ins Zentrum, das in sechs unterschiedlichen Interpretationen und Bearbeitungen erklingen wird. Es tritt außerdem in den Dialog mit verwandten Kompositionen der gesamten Musikgeschichte. Im Rahmen von Konzerten, Performances und Gesprächsformaten beschäftigt sich das Musikfest mit den verschiedenen Perspektiven dieses Dialogs.

Das Forum Alte Musik e.V. macht ab dem 1. Mai 2020 bis zum 30. April 2025 den Kantatenzyklus „Französischer Jahrgang“ des Komponisten Georg Philipp Telemann unter der Leitung von Felix Koch sowohl als Noten-Edition als auch in Form einer Ersteinspielung erstmalig allgemein zugänglich. Die Handschriften des bisher weitgehend unerschlossenen Zyklus des Kantatenschaffenden liegen der Frankfurter Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg geschlossen vor. Aufgeführt werden die Kantaten in Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Hofheim.

Schauspiel:

Bei den 36. Brüder Grimm Festspielen Hanau, die vom 15. Mai bis zum 26. Juli 2020 im Amphitheater Hanau stattfinden, wird die Sage vom „Rattenfänger von Hameln“ in der Grimm’schen Fassung als Schauspiel aufgeführt, die unter dem Themenschwerpunkt „Erzählung.Macht.Identität.“ des Kulturfonds Frankfurt RheinMain läuft. Ein weiteres Highlight der kommenden Festspiele ist die Uraufführung der szenischen Lesung „ICH, HÖLDERLIN!“ von Friedrich Hölderlin, die am 25. Juli vom ehemaligen Festspielleiter Dieter Gring in der Wallonischen Ruine dargeboten wird.

Artistik: 

Im Herbst 2020 trifft sich – wie alle zwei Jahre – erneut der Artistennachwuchs zu einem bunten Festival in der Landeshauptstadt Wiesbaden: Vom 22. Oktober bis zum 25. Oktober 2020 findet dort der „Euopean Youth Circus 2020“ statt. Das diesmalige Thema: Europa. Etwa 80 junge europäische Artistinnen und Artisten zwischen 12 und 25 Jahren werden in Zusammenarbeit mit Regisseur und Choreografen eine Show erarbeiten, die sich sowohl am thematisch-künstlerischen Leitmotiv, als auch am jeweiligen künstlerischen Profil und kulturellem Hintergrund orientiert. Der European Youth Circus zählt zu den herausragendsten Kulturveranstaltungen Wiesbadens.