Kulturausschuss wählt neuen Vorsitzenden, beruft zwei neue Mitglieder ins Kuratorium und beschließt Unterstützung der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Belangen unserer Zeit mit 1,36 Millionen Euro

Der Kulturausschuss des Kulturfonds Frankfurt RheinMain hat in seiner aktuellen Förderrunde finanzielle Zuwendungen für 9 Kunst- und Kulturprojekte in Höhe von insgesamt 1,36 Millionen Euro beschlossen.

Neben der Auswahl der neuen Förderprojekte oblag es dem Kulturausschuss zudem, einen neuen Vorsitzenden und dessen drei Stellvertreter für den Kulturausschuss zu wählen. Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden Staatssekretärs a. D. Ingmar Jung MdB ist Ulrich Krebs, Landrat des Hochtaunuskreises. Zu den stellvertretenden Vorsitzenden wählte der Kulturausschuss die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Ina Hartwig, den Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Jochen Partsch, sowie Wolfgang Kollmeier, den ersten Kreisbeigeordneten des Main-Taunus-Kreises. Die neu Gewählten sind für zwei Jahre ab Januar 2018 im Amt.

Ebenfalls wurden zwei neue Mitglieder ins Kuratorium berufen. Impulse und fachliche Erfahrung bringen Claudia Dillmann, bis September 2017 Direktorin des Deutschen Filminstituts (DiF), und Prof. Klaus Honnef, seines Zeichens Kunsthistoriker, Kurator, Autor, Theoretiker für Künstlerische Fotografie und ehemaliger Vizepräsident der deutschen Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA).

Die 9 neuen Förderprojekte des Kulturfonds zeichnen sich thematisch wie künstlerisch durch ihre vielfältige Darstellungs- und Ausdrucksformen sowie ihre aktuellen Bezüge aus und tragen zur Bereicherung des kulturellen Angebots der Rhein-Main-Region bei. Landrat Ulrich Krebs, der als stellvertretender Vorsitzender die Sitzung leitet, ist begeistert: „Ganz besonders freut es mich zu sehen, dass sich die aktuellen Förderprojekte nicht nur an ein Publikum mit künstlerischem Interesse und entsprechenden Vorerfahrungen und Kenntnissen richten. Vielmehr sind alle Interessierten – Familien, Senioren, junge Leute, alle Bürgerinnen und Bürger der Region und natürlich alle Gäste – eingeladen, sich auf die neuen Themen einzulassen und bei vielen Veranstaltungen an ganz unterschiedlichen Orten das künstlerische Angebot zu erkunden.“

Auch in dieser Runde steht dabei das aktuelle Schwerpunktthema des Kulturfonds „Transit“ im Fokus, das das Augenmerk vor allem auf gesellschaftliche Themen legt und eine enge Verbindung zur Rhein-Main-Region besitzt. Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, schätzt insbesondere die thematische Bandbreite der Projekte: „Unsere Gegenwart ist geprägt durch gesellschaftliche wie kulturelle Umbrüche und die Auflösung vorhandener Strukturen. Auch auf künstlerischer Ebene finden sich immer mehr Projekte, die sich mit diesen Herausforderungen beschäftigen und neue Blickwinkel auf die Themen unserer Zeit suchen. Diese Entwicklung möchte der Kulturfonds fördern und die kreative Auseinandersetzung mit Themen wie Migration, Digitalisierung oder Urbanisierung unterstützen.“

In der aktuellen Förderrunde wird das Projekt TEXTLAND der Faust Kultur Stiftung gefördert, das sich thematisch mit der Entwicklung deutschsprachiger Literatur und Sprachdynamik im Kontext der heutigen Einwanderungsgesellschaft beschäftigt. Über eine Vielzahl unterschiedlicher Formate, wie eine jährlich stattfindende zweitägige, öffentliche Tagung im Frankfurter Kunstverein, ein regelmäßig erscheinendes Magazin, Lesungen, Performances, Workshops und weitere interdisziplinäre Veranstaltungen soll Deutschland als weltoffenes und tolerantes Zentrum präsentiert werden. Als Gegenstück zu den gegenwärtigen Abschottungstendenzen fördert das Projekt die positive Einstellung zur Interkulturalität, Polyphonie und Vielfalt. Angesprochen wird dabei ein internationales Publikum aus unterschiedlichen Milieus, Fachrichtungen und Generationen.

Die Ausstellung Eduardo Chillida – Dimension und Raum des Museums Wiesbaden würdigt in der ersten großen deutschen Retrospektive nach dem Tod des Künstlers das Werk des bedeutendsten spanischen Bildhauers der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Eduardo Chillida. Die rund 100 Arbeiten umfassende Ausstellung, darunter Skulpturen, Zeichnungen, Drucke, Buchprojekte und große Keramikwände, legt ihren Fokus auf die großen Skulpturenprojekte des Künstlers in Spanien und Deutschland sowie das inhaltliche und formale Zusammenspiel der verschiedenen von ihm verwendeten Medien und Materialien. Auch die Beziehung zwischen Kunstwerk und umgebendem Raum bildet einen Schwerpunkt der Retrospektive.

Im ehemals als Depot genutzten Nordflügel des Historischen Museums Hanau Schloss Philippsruhe errichtet die Stadt Hanau einen „Pädagogischen Flügel“. Neben zwei museumspädagogischen Seminar- und Kreativräumen im Erdgeschoss, die insbesondere Kita- und Schulgruppen, aber auch Vereinen und Firmen im Zuge von Seminaren zur Verfügung stehen, liegt das Hauptaugenmerk auf dem Brüder-Grimm-Mitmach-Museum. Auf 400 m² erstreckt sich das Kindermuseum mit Schwerpunkt auf den Märchen der Brüder Grimm. Die Kinder-Erlebniswelt verbindet regionale und internationale Märchen und wird zum Abenteuer für Groß und Klein.

Die 34. Brüder Grimm Festspiele in Hanau zeichnen sich auch in der kommenden Saison maßgeblich durch ihre Dramatisierung und die daraus folgenden Uraufführungen einzelner Märchen-Motive aus. Diese entstammen der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen, die die UNESCO im Jahr 2005 zum Weltkulturerbe erklärt hat. Besonders im Fokus steht diesmal der Umgang mit der eigenen Sterblichkeit, die im BRANDNER KASPAR thematisiert wird. Ein Schwerpunkt des vielseitigen Begleitprogramms liegt mit der Reihe JUNGE TALENTE auf der Förderung junger Theatermacher.

Die Ausstellung Rubens – Kraft der Verwandlung, die das Städel Museum im Frühjahr 2018 in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum Wien ausrichtet, widmet sich dem Barockmaler Peter Paul Rubens, der die europäische Barockmalerei prägte wie kaum ein anderer. Die rund 120 Ausstellungsstücke, darunter antike Originalskulpturen aus Marmor und Bronze, Gemälde und Grafiken sowie Skulpturen von Rubens’ Vorläufern und Zeitgenossen, sollen dem Besucher den Umgang Rubens‘ mit den Werken anderer Künstler und deren Einfluss auf sein Schaffen verdeutlichen. Ergänzt wird die Ausstellung durch verschiedene Führungsformate, Workshops, öffentliche Vorträge und digitale Vermittlungsangebote.

Die Ausstellung Wilhelm Kuhnert der Schirn Kunsthalle Frankfurt rückt den ersten Freilichtmaler Afrikas, Wilhelm Kuhnert, in den Fokus, der für seine Werke die deutschen Kolonien des 19. Jahrhunderts bereiste und erforschte. Auf seinen Zeichnungen brachte er das jeweils Charakteristische des Tieres zum Vorschein. Diese dienten ihm auch später als Inspirationsquelle und Grundlage für hunderte Gemälde, die einem großen Publikum erstmals die afrikanische Tierwelt in ihrer natürlichen Umgebung zeigten und so das öffentliche Bild Afrikas entscheidend prägten. Sein Werk kann damit nicht nur als Spiegel der Kunst- und Naturwissenschaftsgeschichte, sondern auch der Kolonialgeschichte und Moderne verstanden werden.

Anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Welturaufführung von Stanley Kubricks Filmklassiker „2001: A Space Odyssey“ präsentiert das Deutschen Filminstitut DIF e.V. die Ausstellung 50 Jahre Stanley Kubricks „2001: A Space Odyssey“. In drei Bereichen wird das Phänomen 2001 einer Bestandsaufnahme unterzogen und in 50 Jahre Rezeptionsgeschichte eingeordnet. Die drei Bereiche umfassen Originalexponate des Kubrick-Archivs, die historische Prognostik des Klassikers sowie vom Film inspirierte Präsentationen aus Filmgeschichte, Kunst und Popkultur. Ein besonderer Vorzug der Ausstellung: Im Jubiläumsjahr des Films ist sie die einzige von den Rechteinhabern autorisierte Museumsveranstaltung.

Das interdisziplinäre Schwerpunktprojekt HINTERLAND des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden der WIESBADENER BIENNALE 2018 widmet sich dabei der spannungsreichen Beziehung zwischen Metropolen und Regionen fernab von großen Zentren. Vier international renommierte Künstler präsentieren während des Projekts großformatige Arbeiten im öffentlichen Raum, die das Programm der Biennale als Leuchtturmprojekte prägen. So soll auf künstlerischem Weg zu Debatten und öffentlichen Kontroversen angeregt werden, die weit in die Gesellschaft hineinreichen.

Die Landeshauptstadt Wiesbaden präsentiert mit dem European Youth Circus 2018 einen akrobatischen Leckerbissen. Etwa 80 Artistinnen und Artisten aus ganz Europa bereichern das Spektakel, das zu den bekanntesten Artistikfestivals Europas gehört, und werden von einer namhaften Jury aus internationalen Fachleuten bewertet. Das Festival steht dabei nicht nur für künstlerische Qualität und Weiterentwicklung, sondern insbesondere für die internationale Vernetzung und Begegnung über Grenzen hinweg.

Insgesamt fördert der Kulturfonds Frankfurt RheinMain bereits Projekte mit einer Gesamtsumme von heute annähernd 50 Millionen Euro und trägt damit seit seiner Gründung im Jahr 2007 maßgeblich zur kulturellen Vielfalt und dem künstlerischen Angebot der Rhein-Main-Region bei.